Wir erstellten ein fiktives Soziales Netzwerk namens Meeting Point
In einem Experiment sind wir dieser Frage nachgegangen. Dafür bauten wir ein Soziales Netzwerk namens “Meeting Point”, indem wir 80 selbst erstellte Profile anfertigten. Die Profile besaßen alle ein eigenes Profilbild und einen eigenen Inhalt, welcher durch Angaben über Hobbies, Lieblingsmusik, Lieblingsbücher, Beschreibungen über die Person usw. individuell für jedes Profil erstellt wurde. Die Hälfte der 80 Profile gehörten Frauen.
Sobald die Versuchsperson wieder in der Freundesliste war, konnte sie das nächste Profil auswählen
In dem Versuch wurden 60 Versuchspersonen (die Hälfte davon waren Frauen) alle 80 Profilbilder aufgereiht wie in einer Freundesliste von bekannten Sozialen Netzwerkseiten präsentiert. Jede Versuchsperson hatte 15 Minuten Zeit, um sich durch das Soziale Netzwerk Meeting Point zu klicken. D.h. sie konnte anhand der 80 Profilbilder frei wählen, wessen dazugehörigen Profil sie sich vollständig anzeigen lassen wollten. Klickte man auf ein Profilbild gelangte man zu dem dazugehörigen Profil. Um die Zeit und die Anzahl der Klicks insgesamt zu kontrollieren, mussten die Versuchspersonen auf jedem Profil, welches sie ausgewählt hatte, 20 Sekunden verweilen. Nach den 20 Sekunden gelangte man automatisch zurück zur der Freundesliste mit den 80 Profilbildern. Sobald die Versuchsperson wieder in der Freundesliste war, konnte sie das nächste Profil auswählen, indem sie wieder auf eines der Profilbilder klickte. Dieser Vorgang wiederholte sich, bis die 15 Minuten vorbei waren. Es wurde kontrolliert, dass die Versuchspersonen nicht zwei- oder mehrmals ein Profil auswählten, welches sie sich schon einmal angesehen hatten.
Frauen sind an gleichgeschlechtlichen Profilen mehr interessiert als Männer
Es zeigte sich, dass die weiblichen Versuchspersonen signifikant mehr gleichgeschlechtliche Profile ansahen als die männlichen Versuchsteilnehmer. Der durchschnittliche Anteil an weiblichen Profilen lag bei den weiblichen Versuchspersonen bei 56%. Die Männer schauten sich im Gegensatz dazu im Schnitt nur 30% männliche Profile an. Dieser Effekt war noch höher, wenn man den Beziehungsstatus berücksichtigte. An der Abbildung kann man sehen, dass sich die weiblichen Versuchspersonen, die angeben hatten Single zu sein, im Durchschnitt mit 55% in etwa genauso viele weibliche Profile angesehen hatten, wie die weiblichen Versuchsteilnehmer, die zum Versuchszeitpunkt in einer Partnerschaft waren (durchschnittliche Anteil weiblicher Profile 57%). Der durchschnittliche Anteil an weiblichen Profilen lag bei den ledigen Männern bei 77% und bei den vergebenen Männern bei 62%.
Durch das Soziale Netzwerk findet ein intensiver Vergleich mit anderen statt
Es finden sich einzelne Forschungsergebnisse zu dem unterschiedlichen Verhalten von Frauen und Männern im Internet (vgl. Renner et al., 2005)[2]. Dabei wurden Unterschiede im Umfang und in der Art der Internetnutzung gefunden. In dem Experiment zeigte sich nun auch ein Unterschied darin, für wen man sich in Abhängigkeit vom Geschlecht im Sozialen Netzwerk interessiert. Während die Frauen eher ein ausgeglichenes Interesse für beide Geschlechter zeigten, waren die männlichen Versuchspersonen weniger an gleichgeschlechtlichen Profilen interessiert. Ob Frauen eher dran interessiert sind, sich sozial zu vergleichen, und deswegen eventuell auch mehr acht auf gleichgeschlechtliche Personen haben, bleibt zu diskutieren. Manago et al. (2008)[1] konnten in ihrer Studie ebenfalls Hinweise dafür finden. Sie befragten dazu Studierende über ihre Erfahrungen mit der Sozialen Netzwerkplattform „MySpace“. Ihnen wurde berichtet, dass durch die Seite ein intensiver Vergleich mit anderen stattfindet. Sie zitieren als Beispiel folgende Aussage einer Studentin:
„Oh so much social comparison happens on MySpace … It´s always interesting to see how people develop, you always want to keep tabs on the most popular girl in school because you want to see, four years down the line, yeah I´m doing better than her” (zitiert nach Manago et al., 2008).
Aus diesem Beispiel und dem Experiment ergibt sich die Frage, ob Frauen anfälliger für derartige Vergleiche sind, oder ob der Unterschied wirklich einfach daran liegt, dass Männer eher Ausschau nach möglichen Partnern halten.
Literatur
[1] Manago, A. M., Graham, M. B., Greenfeld, P. M. & Salimkhan, G. (2008). Self-presentation and gender on MySpace. Journal of Applied Developmental Psychology, 29, 446-458.
[2] Renner, K.H., Schütz, A. & Machilek, F.(2005). Internet und Persönlichkeit: Stand der Forschung und Perspektiven. Reportpsychologie, 30(11), 464-471.
Danksagung
Irene B., Vicktoria H., Madalena K., Sarah S. & Anna-.V. V. für Idee und Umsetzung
