Andere Menschen über eine Soziale Netzwerkplattform kennenzulernen bringt einen wesentlichen Vorteil mit sich. Man kann sich mit vielen fremden Menschen in relative kurzer Zeit verbinden. Anhand ihrer veröffentlichten Informationen in Posts, Nachrichten und Bildern können wir uns dann genauso schell einen Eindruck über die Persönlichkeit dieser Menschen machen. Nicht nur in den Medien stößt man immer wieder auf die Frage, ob eine Darstellung im Internet nicht auch missbraucht wird, um sich so zu zeigen, wie man im eigentlichen Leben gar nicht ist. Es wird im privaten wie auch öffentlichem Umfeld immer wieder von Erfahrungen berichtet, dass die Onlinebekanntschaft im wahren Leben doch nicht so war, wie sie sich über ihr Profil, über ihre Nachrichten, auf der Pinnwand usw. dargestellt hatte.
Die Persönlichkeit beeinflusst die Selbstdarstellung im Internet
Die Forschung zeigt, dass sich Menschen generell im Internet genauso darstellen, wie sie im wahren Leben sind (vgl. Scherer & Wirth, 2002)[1]. Die Persönlichkeit beeinflusst die Selbstdarstellung im Internet. Dies ist auch verständlich, wenn man berücksichtigt, dass ein Spiel mit Identitäten bedeutet, sich laufend eine andere Identität rein denken zu müssen, was über einen längeren Zeitraum einen erheblichen Aufwand mit sich bringt.
Wenn man die Bilder betrachtet, welche hochgeladen wurden, findet hier meistens schon ein Schwindel statt
Aber was ist, wenn es darum geht, sich, einfach nur so weit es geht, in ein besseres Licht zu rücken? Ist das in der virtuellen Realität einfacher, da hier die Kontrolle über die Inhalte, die man hier veröffentlicht größer ist? Wenn man die Bilder betrachtet, welche man von sich hochlädt, findet hier meistens schon ein kleiner (oder je nach dem größerer) Schwindel statt. Die Mehrheit wird wohl nur Bilder von sich hochladen, auf denen man sich selber gefällt. Damit wird eine Auswahl getroffen, die davon abhängt, welche Seite man von sich präsentieren will. In Zeiten von Photoshop kann man die Darstellung aber noch auf die Spitze treiben. Man stellt sich größer, muskulöser, schlanker oder einfach schöner dar, als man ist.
Wir ließen Profile mit Hilfe einer Onlineumfrage bewerten
Abgesehen von den Bildern kann man aber auch durch die Inhalte einen bestimmten Eindruck von sich vermitteln. Man kann sich z.B. aktiv, gesellig und freundlich darstellen. Im Gegensatz dazu kann man sich aber genauso als zurückgezogen und nachdenklich präsentieren. Wie gut das funktioniert haben wir in einer Vorstudie getestet. Die genannten Eigenschaften beschreiben zwei Pole einer Persönlichkeitsdimension, welche in der Persönlichkeitsforschung mit Extraversion (bzw. Introversion) bezeichnet wird. In unserer Vorstudie stellten wir eine Reihe von Extravertierten und Introvertierten (StudiVZ) Profilen her. Dies erreichten wir, indem wir die Beschreibung der Person, die Hobbys, die Anzahl der Freunde und die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen, so wählten, dass entweder die jeweilige Person über das Profil besonders extravertiert auftrat, oder eben eine introvertierte Selbstdarstellung hatte. Die Profile ließen wir anschließend mit Hilfe einer Onlineumfrage bewerten. Für die Bewertung der Profile wurden Eigenschaftswörter dargeboten, welche bezeichnend für eine extravertierte bzw. introvertierte Persönlichkeit sind (z.B., redselig, schweigsam, gesellig, zurückhaltend). Die Befragungsteilnehmer mussten zu jedem Eigenschaftswort ankreuzen, wie sehr sie meinen, dass diese Eigenschaft auf den jeweiligen Profilbesitzer zutrifft. Dafür hatten sie eine fünfstufige Skala von „1= trifft überhaupt nicht zu“ bis „5= trifft voll und ganz zu“ zur Verfügung. Gemittelt über alle Antworten erhielten wir für die extravertierten und introvertierten Profile folgende durchschnittlichen Werte:
Wie erwartet wurden die Personen hintern den extravertierten Profilen auch als extraveriert bewertet (je näher der Wert bei 5 lag, umso extravertierter wurde eine Person anhand ihres Profils bewertet). Die Personen hintern den introvertierten Profile wurden hingegen als eher introvertiert bewertet. Der Mittelwert über alle extravertierten Profile lag bei 4.11 und war damit signifikant höher als der Gesamtmittelwert der introvertierten Profile (Mean= 2.6; t(52)= 21.79; p< .001).
In der Vorstudie konnte gezeigt werden, dass eine entsprechende Selbstdarstellung über ein Profil in einem Sozialem Netzwerk möglich ist, wenn man sich vornerherein Gedanken darüber macht, wie man wirken will. In einem nächsten Schritt ging es darum zu zeigen, wie sich die Darstellung im Sozialem Netzwerk auf den Eindruck einer Person auswirkt, wenn man ihr in einer Sitatution außerhalb dem Sozialem Netzwerk begegnet. Die Ergebnisse dieser Studie werden demnächst hier ebenfalls veröffentlicht.
Literatur
[1] Scherer, H. & Wirth, W. (2002). Ich chatte – wer bin ich? Identität und Selbstdarstellung in virtuellen Kommunikationssituationen. M & K, 50(3), 337-357.

Hallo liebe netzforscher,
tolle Seite und eine ausgezeichnete Idee!!!!
Ich habe gerade an der Online-Umfrage teilgenommen.
Dabei hatte ich allerdings ein paar Schwierigkeiten und will die hier mal posten, weil der Beitrag einigermaßen zur Umfrage passt und es in der Umfrage keine Möglichkeit für Kommentare gibt… (warum eigentlich nicht…?).
Schwierigkeiten hatte ich mit dem Fragenbogen, genauer mit einzelnen Fragen. Exemplarisch:
“Ich mag den Gedanken nicht, dass mir unbekannte Personen im Internet Informationen über meine Freizeitaktivitäten erhalten.”
“Im Internet sollen Angaben zu meinen Hobbys nur für Freunde sichtbar sein.”
Diese Aussagen sind mir zu allgemein. Es kommt darauf an, ob diese Informationen mit anderen Informationen in Verbindung gebracht werden können. Ich möchte zwar Informationen teilen, aber nicht so, dass jemand beliebiges eine Art “vollständiges” (also vollständig in dem Rahmen wie es eben im Internet abbildbar ist) Bild von mir zusammensetzen kann. Einige Informationen mögen privat sein, äußerst privat vielleicht… aber es geht um anonyme Privatheit.
(Wie soll ich die Fragen also in dem Fall beantworten…?)
Ein vielleicht interessanter Hinweis zu dieser Thematik:
Die “Internet of Subjects”-Bewegung:
http://www.iosf.org/
So weit, so kritisch,
dies aber nur, weil ich es so lohnenswert finde
Viele Grüße!
Hallo,
erstmal danke für Deine Rückmeldung. Wir sind bei der Umfrage gerade dabei ein Messinstrument zu entwickeln. Damit ist das Ziel zunächst eine Itemanalyse. Von daher hilft da auch jede kritische Anmerkung dazu weiter.
In der Umfrage geht es allgemein darum die Einstellung und die Handlung zu messen. Es geht dabei um die Neigung private Informationen einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Diese Neigung wird sicherlich auch davon beeinflusst, ob ich die Informationen anonym veröffentliche oder es nicht möglich ist, die Informationen auf meine Person zurückzuführen. In dem Fragebogen ist meiner Meinung nach diese Dimension enthalten. So kann die Öffentlichkeit völlig anonym sein oder nur aus Freunden bestehen. Genauso können die Informationen allgemein oder sehr privat sein. Dazwischen sind unterschiedliche Kombinationen möglich, was für zwei unabhängige Dimensionen spricht. Zum Beispiel ist es mir zwar gleich, dass private Informationen von mir öffentlich sind, aber sie sollen nicht mit meiner Person in Verbindung gebracht werden. Oder gerade das ist der Reiz für mich usw.
Die Aussagen sollen allgemein sein, da es hier um eine Einstellungsmessung geht. D.h. in welche Richtung man eher tendieren würde. Es geht nicht drum ein spezifisches Bild über die eigenen Handlungen im Netz einzufangen, sondern eher eine Allgemeine Einstellung zu identifizieren, was das Handeln im Netz letzten Endes möglicherweise erklären kann. So kannst Du vielleicht eine generelle Aussage treffen, ob es Dir recht ist, dass Dir unbekannte Personen über Deine Freizeitaktivitäten Bescheid wissen (um bei dem Beispiel zu bleiben). Ob dass dann mit einem zusätzlichen Konstrukt, wie z.B. der gewollten Selbstdarstellung und damit mit einer gewollten Zuschreibung der Informationen zu der eigenen Person zusammenhängt, ist dann eine weitere Frage.
Viele Grüße
Roman